KI im Unternehmen

Was sind KI-Agenten? 7 Beispiele und wie sie funktionieren

KI-Agenten sind Programme, die ein Ziel bekommen und ihre Schritte selbst wählen: Sie lesen E-Mails und Firmensysteme, prüfen Zwischenergebnisse und liefern einen Entwurf oder Datensatz. Typische Beispiele sind Rechnungsprüfung, Reklamationen und Rechtsprechungsrecherche. Zu jedem Beispiel zeigen wir Auslöser, gelesene Systeme, Ergebnis und was beim Menschen bleibt.

Autor: Kryštof Olík, Gründer von OllsoftVeröffentlicht 8 Min. Lesezeit

Was sind KI-Agenten, und was können sie?

Von fest programmierter Software unterscheidet KI-Agenten, wer den nächsten Schritt bestimmt: Das Sprachmodell wählt ihn, ebenso das Werkzeug dafür. Werkzeuge sind zum Beispiel die Suche im Dokumentenarchiv, eine Abfrage im ERP oder das Anlegen eines Tickets. „Agentenbasierte KI“ bezeichnet Software, die nach diesem Prinzip arbeitet.

Die Grenze zieht Anthropic in „Building effective agents“ so: Bei einem Workflow laufen Modell und Werkzeuge über vorab festgelegte Codepfade, ein Agent steuert seine Abläufe und die Werkzeugnutzung selbst. Im Alltag machen KI-Agenten vor allem Büroarbeit mit wechselnden Eingaben: lesen, vergleichen, nachschlagen, Datensätze füllen, Entwürfe schreiben und das Ergebnis an die richtige Person geben.

Wie funktionieren KI-Agenten?

KI-Agenten arbeiten in einer Schleife: Sie wählen einen Schritt, rufen ein Werkzeug auf, prüfen das Ergebnis und entscheiden danach über den nächsten Schritt.

  1. Start: Ein Ereignis wie eine neue E-Mail oder die Anweisung eines Menschen löst den Lauf aus.
  2. Plan: Das Modell zerlegt die Aufgabe und wählt den ersten Schritt.
  3. Werkzeug: Der Agent fragt ein System ab oder schreibt hinein, soweit seine Rechte reichen.
  4. Prüfung: Das Ergebnis des Werkzeugaufrufs zeigt ihm, wie weit er ist. Laut Anthropic ist diese Rückmeldung aus der Umgebung bei jedem Schritt entscheidend.
  5. Ende: Der Agent ist fertig, wartet an einem Prüfpunkt auf einen Menschen oder stoppt an einer Abbruchbedingung, etwa einer Höchstzahl von Durchläufen.

Diese Freiheit hat ihren Preis. Anthropic nennt höhere Kosten und die Gefahr, dass sich Fehler über mehrere Schritte aufschaukeln. Enge Zugriffsrechte, ein Protokoll jedes Schritts und Abbruchbedingungen gehören deshalb von Anfang an zum Bau eines Agenten.

Welche Beispiele für KI-Agenten gibt es im Unternehmen?

Gute Beispiele sind Aufgaben mit frei formulierten Eingängen und Daten in mehreren Systemen: Eingangsrechnungen mit Abweichung, Reklamationen, Angebotsanfragen, Vertragsentwürfe, IT-Tickets und Bewerbungen. Am wichtigsten ist die letzte Spalte der Tabelle: Dort endet die Arbeit des Agenten.

Sechs typische Abläufe, keine Kundenprojekte
AufgabeAuslöserWas der Agent liestErgebnisWas ein Mensch freigibt
EingangsrechnungPDF-Rechnung im PostfachBestellung und Wareneingang im ERP, LieferantenstammBuchungsvorschlag mit markierten AbweichungenBuchung bei Abweichung, Zahlung über dem Limit
ReklamationKunden-E-Mail im Support-PostfachCRM, Auftrag, GewährleistungsregelnAntwortentwurf mit Vorschlag: Ersatz, Gutschrift oder Ablehnungjede Ablehnung, Gutschrift über dem Limit
AngebotsanfrageE-Mail oder WebformularPreislisten, Lagerbestand, frühere Angebote im ERPAngebotsentwurf und offene RückfragenPreis und Versand des Angebots
VertragsentwurfEntwurf der Gegenseite geht einVertragsvorlagen, interne Regeln, DokumentenarchivListe der Abweichungen mit Fundstellejede Änderung, bevor sie an die Gegenseite geht
IT-Ticketneues Ticket im HelpdeskWissensdatenbank, BenutzerverzeichnisLösungsschritte oder Übergabe mit ZusammenfassungÄnderung von Zugriffsrechten
Bewerbungneue Bewerbung im BewerbermanagementLebenslauf, StellenprofilAbgleich mit den Anforderungen, mit BelegstellenEinladung und Absage; rechtlich heikler Fall, siehe unten

Wie sieht Quellenüberwachung mit KI im Betrieb aus?

Zwei unserer Projekte überwachen Quellen für Juristen: Eurowag bekommt täglich die relevanten Rechtsänderungen mit einer Bewertung durch KI, für Rowan Legal suchen Agenten laufend die relevante Rechtsprechung. Das siebte Beispiel für einen Agenten ist Rowan Legal, Eurowag zeigen wir zum Vergleich als tägliches Monitoring mit KI. In beiden Fällen schlägt die KI vor, was wichtig ist, die rechtliche Bewertung bleibt beim Menschen. Als Leistung bieten wir Rechtsmonitoring an.

Eurowag: Rechtsmonitoring für Kraftstoff und Telematik

  • Auslöser: täglich nach festem Zeitplan.
  • Liest: Gesetzgebungsregister der EU, Tschechiens und der Slowakei, juristische Newsletter und Informationen zu Lobbying-Aktivitäten, gefiltert nach dem Geschäftsprofil von Eurowag.
  • Ergebnis: tägliche E-Mail mit Ampel (rot, orange, grün) und Links bis zum genauen Absatz im Quell-PDF.
  • Mensch: Die Juristen bewerten jede Meldung, die KI berücksichtigt das bei späteren Bewertungen. Was aus einer Änderung folgt, entscheidet das Rechtsteam.

Rowan Legal: Rechtsprechung für die Kanzlei

  • Auslöser: Die Agenten laufen kontinuierlich im Hintergrund.
  • Lesen: Rechtsprechung, nach der sie selbstständig suchen.
  • Ergebnis: relevante Entscheidungen für die Anwältinnen und Anwälte.
  • Mensch: Ob eine Entscheidung im Mandat trägt, beurteilt die Anwältin oder der Anwalt.

Wann muss bei KI-Agenten ein Mensch entscheiden?

Grundsätzlich dann, wenn eine Entscheidung einer Person gegenüber rechtliche Wirkung entfaltet oder sie in ähnlicher Weise erheblich beeinträchtigt. Art. 22 DSGVO gibt der betroffenen Person das Recht, keiner solchen Entscheidung unterworfen zu werden, wenn sie ausschließlich auf automatisierter Verarbeitung beruht. Erwägungsgrund 71 nennt als Beispiele die automatische Ablehnung eines Online-Kreditantrags und Online-Einstellungsverfahren ohne menschliches Eingreifen.

Davon gibt es drei Ausnahmen: Die Entscheidung ist für Abschluss oder Erfüllung eines Vertrags mit der Person erforderlich, sie ist aufgrund von Rechtsvorschriften zulässig, die angemessene Schutzmaßnahmen enthalten, oder die Person hat ausdrücklich eingewilligt. Bei Vertrag und Einwilligung muss das Unternehmen mindestens das Eingreifen einer Person, die Darlegung des eigenen Standpunkts und die Anfechtung ermöglichen. Für personenbezogene Daten juristischer Personen gilt die DSGVO nicht (Erwägungsgrund 14), die Rechnung einer GmbH fällt also nicht unter Art. 22. Das Freigabelimit dafür legen Sie selbst fest.

Ein Klick auf „Freigeben“ ist noch keine menschliche Entscheidung. Die Leitlinien WP251 rev.01 der Artikel-29-Datenschutzgruppe verlangen eine Aufsicht, die mehr ist als eine symbolische Geste, durch jemanden mit der Befugnis und Kompetenz, die Entscheidung zu ändern. Der EuGH hat im Urteil C-634/21 (SCHUFA) vom 7. Dezember 2023 schon den automatisiert erstellten Score einer Wirtschaftsauskunftei als automatisierte Entscheidung eingestuft, sofern von ihm maßgeblich abhängt, ob ein Dritter ein Vertragsverhältnis mit der Person begründet, durchführt oder beendet. Praktisch heißt das: Wer freigibt, braucht die Belege, Zeit und das Recht, anders zu entscheiden.

Die KI-Verordnung setzt beim Zweck an. Als Hochrisiko-KI-Systeme nennt Anhang III unter anderem Systeme, die Bewerbungen sichten oder filtern und Bewerber bewerten, und solche für die Kreditwürdigkeitsprüfung natürlicher Personen. Ihre Pflichten gelten laut Verordnung (EU) 2026/1744 ab dem 2. Dezember 2027. Betreiber müssen die menschliche Aufsicht dann Personen mit der erforderlichen Kompetenz, Ausbildung und Befugnis übertragen (Art. 26 Abs. 2). Ein Agent, der nur eine vorbereitende Aufgabe erledigt, kann nach Art. 6 Abs. 3 aus der Hochrisiko-Einstufung herausfallen, aber nie, wenn er ein Profiling natürlicher Personen vornimmt.

Tritt der Agent direkt mit Menschen in Kontakt, gilt seit dem 2. August 2026 außerdem Art. 50 Abs. 1: Das System muss so gebaut sein, dass sie erfahren, dass sie mit einem KI-System interagieren, es sei denn, das ist offensichtlich. Wo die Grenze in Ihrem Fall liegt, bewertet Ihre Rechtsabteilung oder Kanzlei. Wir setzen sie technisch um und dokumentieren sie.

Wann braucht eine Aufgabe einen KI-Agenten?

Eine Aufgabe braucht erst dann einen KI-Agenten, wenn feste Regeln nicht reichen und eine bloße Antwort zu wenig ist. Anthropic rät selbst zur einfachsten Lösung, und das kann heißen, gar keinen Agenten zu bauen.

Automatisierung, Chat-Assistent oder Agent
Feste AutomatisierungChat-AssistentKI-Agent
Wer bestimmt den nächsten Schritt?der programmierte Ablaufder Mensch im Gesprächdas Modell, innerhalb seiner Rechte
Typische AufgabeXRechnung mit passender Bestellung buchenMitarbeitende fragen, was ein Vertrag zur Kündigung sagtPDF-Rechnung mit Abweichung klären und Vorschlag vorbereiten
Wer handelt am Ende?das Systemder Menschdas System, Wichtiges nach Freigabe
Was es zusätzlich brauchtPflege, wenn sich Formate ändernMenschen, die das Ergebnis umsetzenZugriffsrechte, Schrittprotokoll und Freigabeschritt

Der Test hat fünf Fragen, in dieser Reihenfolge:

  1. Lässt sich der Ablauf vollständig als Regeln aufschreiben? Dann reicht eine feste Automatisierung.
  2. Genügt am Ende eine Antwort, und ein Mensch handelt selbst? Dann reicht ein Chat-Assistent.
  3. Steht die Zahl der Schritte vorher fest? Dann reicht ein fester Ablauf mit einem Modell an einzelnen Stellen. Hängt sie vom Inhalt ab, spricht das für einen Agenten.
  4. Lässt sich das Ergebnis prüfen, bevor es wirkt? Wenn nicht, bleibt die Aufgabe beim Menschen.
  5. Kommt die Aufgabe so oft vor, dass sich Bau und Betrieb lohnen? Zählen Sie die Stunden pro Woche.

Genau das macht unser eintägiger Workshop KI-Agenten für Unternehmen: Er listet die Aufgaben mit den Schätzungen Ihrer Mitarbeitenden auf. Finden wir keine Arbeit im Umfang von mindestens 20 Stunden pro Woche, die Agenten übernehmen können, zahlen Sie ihn nicht.

Häufige Fragen

Ist ChatGPT ein KI-Agent?
Im normalen Chat nicht: Sie fragen, das Modell antwortet, und Sie handeln selbst. Zum Agenten wird ein Modell erst, wenn es Werkzeuge nutzen darf und die Schritte selbst wählt. Entscheidend ist also die Einrichtung, nicht der Produktname.
Gilt die KI-Verordnung auch für KI-Agenten?
Ja, aber nicht unter diesem Namen. Das Wort „Agent“ kommt im Verordnungstext nicht vor. Ein Agent fällt in der Regel unter den Begriff „KI-System“ aus Art. 3 Nr. 1, und die Pflichten richten sich nach dem Zweck. Derselbe Agent ist bei Rechnungen also anders einzustufen als bei Bewerbungen.
Was können KI-Agenten nicht?
Über Ihr Unternehmen wissen sie nur, was in den angebundenen Systemen und ihrer Anweisung steht. Sie können ein Dokument falsch lesen oder eine Regel falsch anwenden und dabei sicher klingen. Deshalb braucht jeder Agent ein Protokoll und eine Stelle, an der ein Fehler auffällt, bevor er Schaden anrichtet.
Muss ein Mensch jeden Schritt freigeben?
Nein, sonst geht der Nutzen verloren. Ohne Freigabe kann laufen, was keine Person erheblich betrifft und sich leicht korrigieren lässt, etwa ein Ticket zuordnen oder ein Dokument ablegen. Eine Zahlung über dem Limit, eine Vertragsänderung und alles, was die Rechte einer Person berührt, brauchen eine Freigabe.

Quellen

NÄCHSTER SCHRITT

Prüfen Sie es für Ihren Fall

Newsletter

Neue Artikel zur KI-Einführung

Wenn ein neuer Artikel zur Einführung von KI und KI-Agenten erscheint, schicken wir ihn Ihnen per E-Mail, höchstens einmal pro Woche. Abmeldung mit einem Klick.